Auf die richtige Motivation kommt es an

Ohne Frage – Motivation ist ein sehr wichtiges Thema bei der Hundeerziehung, sie bildet die Grundlage für ein erfolgreiches Training. Häufig wird bei diesem Thema an Belohnungen gedacht, daran, was man seinem Hund anbieten kann, damit er bereit ist, mit einem zusammenzuarbeiten. Hier stehen grundsätzlich mehrere Möglich-keiten zur Verfügung:

  1.  Die Futterbelohnung. Bei ihr ist es wichtig, Leckerchen zu wählen, die der Hund auch wirklich mag! Klingt logisch, wird aber häufig nicht praktiziert. Oft bekommt unser Vierbeiner für gute Leistung die gleichen Trockenfutterkörner angeboten, die er morgens schon gelangweilt im Napf vorgefunden hat. Viel besser hingegen wären Wurst (möglichst wenig gewürzt), gekochte Fleisch-stücke oder Käse (Butterkäse, junger Gouda). Wer nun glaubt, das seien aber schon sehr besondere Schmankerl und der Hund könne sich ja nun wirklich auch mit einer weniger guten Futterbelohnung zufrieden geben, der denke über folgendes Beispiel nach: Wir fragen Sie, ob Sie uns helfen würden, unseren Keller aufzuräumen. Falls ja, werden Sie nach der Entrümpelungs-arbeit als Dankeschön ein trockenes Knäckebrot bekommen. Sind Sie motiviert? So richtig motiviert, so dass Sie mit Begeisterung an diese Aufgabe herangehen? Etwa nicht? Okay, dann versuchen wir es anders. Wenn Sie uns helfen, den Keller aufzuräumen, kochen wir hinterher Spaghetti mit Trüffel-Weißwein-Soße und frischem Parmesan. Jetzt doch motiviert? Na sehen Sie, genauso geht es Ihrem Hund!Smile
    Natürlich darf es in der Futterbelohnung Varianten von „gutem Futter“ und „sehr gutem Futter“ geben. Für ein Kommando, das der Hund bereits gut kann und das ihm keinerlei Mühe bereitet, muss die Futterbelohnung nicht so herausragend sein wie für ein Kommando, das dem Hund offensichtlich deutlich schwerer fällt. Probieren Sie es doch einmal aus: Geben Sie Ihrem Hund eine Woche lang für das Kommando, das ihm am schwersten fällt (und nur für dieses!) etwas ganz Besonderes, z.B. Leberwurst aus der Tube. Sie werden sehen, seine Motivation, dieses Kommando gut auszuführen, wird deutlich steigen.Die Futterbelohnung ist außerdem die, die dem natürlichen Verhaltens-repertoire eines Caniden am ehesten entspricht, denn auch in der freien Natur ist die Motivation, Handlungen zu zeigen, um an Nahrung zu kommen, hoch.Einige Hundehalter – und auch Trainer – glauben übrigens, der Hund solle nicht für Leckerchen, sondern für sie arbeiten. Unsere simple Antwort: Warum sollte er? Nur weil der Mensch in seiner ganzen Selbstherrlichkeit glaubt, seine Anwesenheit allein genüge schon, den Hund ausreichend zu motivieren? Diese Einstellung hat sehr viel mit Humanpsychologie und gar nichts mit Tierpsychologie zu tun, denn sie entspringt dem Wunsch des Menschen, wenigstens von einem Lebewesen nur um seiner selbst willen geliebt zu werden, ohne etwas Besonderes dafür tun zu müssen. Wir können zwar gut verstehen, dass man sich wünscht, der Hund möge die Kommandos „wie selbstverständlich“ und aus Freude am gemeinsamen Arbeiten ausführen, aber aus biologischer Sicht muss das Lernen für den Hund eine Verhaltensanpassung sein, die ihm in irgendeiner Form Vorteile bringt, er hat keinen Grund „für uns“ zu arbeiten und sieht darin auch keinen Liebesbeweis. Ja, es gibt einige Hunde, die mehr oder weniger ohne Belohnungen unermüdlich und mit Spaß Kommandos ausführen. Für diese Hunde ist die Beschäftigung, das Arbeiten mit ihnen selbstbelohnend. Das können zum Beispiel Vertreter bestimmter Hütehundrassen sein, die züchterisch auf diese Art von Tatendrang selektiert wurden, also eine bestimmte Arbeitsfreude in ihren Genen tragen, was aber auch nicht bei allen Hütehunden der Fall ist. Die meisten Hunde aber brauchen handfestere Vorteile bzw. Belohnungen, um ihr Verhalten den Wünschen des Menschen anzupassen. Wenn man dazu nicht bereit ist, besteht die Alternative, den Gehorsam zuverlässig zu halten, nur in Zwang, anders gesagt im Androhen oder Anwenden von Strafe. Das Vermeiden der Strafe ist für den Hund auch ein Vorteil, daher ist es möglich, über das Androhen von Strafe gewünschte Reaktionen zu erhalten. Aber da ist die Wahl für uns wirklich einfach: Wir geben unseren Hunden lieber bis an ihr Lebensende Belohnungen, als immer wieder Zwang und Gewalt ausüben zu müssen, um sie zum zuverlässigen Arbeiten zu kriegen. Abgesehen davon glauben wir schon, dass unsere Hunde uns wirklich mögen… bestimmt auch wegen der leckeren Futterbelohnungen, die wir für sie bereit halten. Smile
  2. Die zweite Motivationsmöglichkeit besteht darin, mit dem Hund zu spielen, wenn er eine Übung gut ausgeführt hat. Spiel kann eine sehr gute Motivation sein, wenn man einen aktiven, immer zu Abenteuern aufgelegten und spielbegeisterten Hund hat, für den Leckerchen zwar toll sind, aber eben nicht so toll wie spannende Interaktionen. Gerade das Abrufen von anderen Hunden kann durch Spielmotivation (z.B. ein Rennspiel mit dem Halter als Belohnung für das Zurückkommen) oft sehr zuverlässig beigebracht werden. Zwei Dinge sind dabei aber sehr wichtig zu beachten: Erstens muss das Spiel als Belohnung zu dem Kommando passen, das man gerade üben möchte. Wird dem Hund ein Ruhekommando wie beispielsweise „Platz“ beigebracht, und nach jedem Durchgang wird er mit einem wilden Spiel belohnt, so macht man es dem Hund unnötig schwer, da er beim Kommando „Platz“ lernen soll, ruhig und entspannt zu liegen. Die Belohnung „wildes Spiel“ bringt ihn aber jedes Mal in eine ganz andere, aufgeregte Erwartungshaltung, die er beim nächsten „Platz“ innerhalb von einer Sekunde wieder abstreifen soll. Daher eignet sich für Ruhekommandos wie „sitz“, „Platz“, „bleib“ oder „steh“ die Futterbelohnung deutlich besser.Zweitens ist wichtig, dass die Spielmotivation eben MOTIVATION sein soll, kein Aufpushen des Hundes und erst recht keine Erzeugung von Abhängig-keit. Das Spiel mit Gegenständen, insbesondere das ständige Werfen von Bällen oder Stöckchen, hat oft zur Folge, dass der Hund sich sehr aufregt oder sogar derart auf sein Spielzeug fixiert wird, dass er zum Spieljunkie mutiert, der wie ein Süchtiger dem „Motivationsobjekt“ in Herrchens oder Frauchens Hand nachjagt. Oft entsteht beim Hund dadurch ein sehr hoher Stresslevel. Hinzu kommt, dass dieses Spielzeug als Beute so viel Wichtigkeit im Leben unseres Hundes erhält, dass er schnell bereit ist, es gegen Artgenossen zu verteidigen, denn da, wo eine so wertvolle Beute ist, ist die Beuteaggression nicht weit. Last not least stellt sich für uns die Frage, wer wirklich einen Hund haben möchte, dessen Persönlichkeit so weit manipuliert wurde, dass ihn Sozialkontakte zu Artgenossen, das Schwimmen im Wasser oder das Toben über die Wiese nicht mehr interessieren, wenn das Objekt der Begierde in des Meisters Hand vorgeführt wird?! Wir finden es eher erschreckend und traurig, wenn uns Hundehalter mit zufriedener Miene erklären, nach langem Training könnten sie ihren Hund nun endlich an jedem Reiz vorbei führen, solange sie sein Bällchen hoch halten. Dies ist für uns keine Motivation mehr, sondern die Erzeugung von Abhängigkeit. Ebenso, wie der Drogensüchtige sich auf seine Droge nicht wirklich freut, sondern von ihr abhängig ist und ohne sie nicht leben kann. Wir wünschen uns motivierte Hunde, keine süchtigen.
  3. 2. Die Rahmenbedingungen müssen passen

     

    Auch wenn die in Aussicht gestellte Belohnung stimmig ist und der Hund sich einer Aufgabe grundsätzlich gewachsen fühlt, kann die Motivation unzureichend sein. Dies ist dann der Fall, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Nehmen wir an, Sie könnten sehr gut kopfrechnen und man böte Ihnen 500,-- Euro dafür an, dass Sie drei Stunden lang einfache Rechenaufgaben im Kopf lösen. Klingt gut, oder?! Aber wie wäre es um Ihre Motivation bestellt, wenn diese drei Stunden mitten in der Nacht auf freiem Feld bei Schneeregen stattfinden sollten und Sie nur mit leichter Jeans und T-Shirt bekleidet wären? Oder auf einer seit Wochen nicht gereinigten Bahnhofstoilette? Dieses Szenario mutet auf den ersten Blick unrealistisch an, aber schauen wir mal näher hin: Auf vielen Hundeplätzen werden auch heute noch im Winter bei Eiseskälte lange Übungseinheiten mit „sitz“, „Platz“ und „bleib“ auf kaltem, matschigem Boden verlangt. Die Trainer und Hundehalter achten bei diesen Übungen nicht darauf, ob die Hunde frieren, es ihnen unangenehm ist, sich in den Dreck zu legen oder andere Rahmenbedingungen nicht stimmen. Die Hunde sollen einfach tun, was ihnen gesagt wird und damit fertig. Schließlich kennen sie das Kommando ja! Aber Rahmenbedingungen gehören eben auch dazu, und auf sie zu achten und damit die Bedürfnisse des Hundes zu würdigen, dazu möchten wir anregen, denn die meisten Menschen möchten ihrem Hund ja eigentlich Gutes tun.
    Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, sind unsere Hunde wenig bis gar nicht motiviert, angesagte Übungen auszuführen, obwohl sie diese eigentlich beherrschen und Leckerchen zur Belohnung in Aussicht gestellt werden. Passende Rahmenbedingungen können übrigens für jeden Hund anders aussehen. Die Herdenschutzhündin Emma, die vor einigen Jahren ins Training kam, legte sich ohne zu zögern beim schlechtesten Wetter für Stunden nach draußen, ihr dickes Fell schützte sie genug, mit ihr konnte man bei jedem Wetter arbeiten – außer bei Hitze, da konnte sie sich auf rein gar nichts konzentrieren. Zwei kurzhaarige Hunde, die zur Zeit trainiert werden, blühen dagegen bei Wärme auf und lernen die tollsten Sachen – sobald aber Regen vom Himmel fällt, muss das Training abgesagt oder in einen Innenraum verlegt werden, denn sie fangen sofort an zu zittern und zu frieren und ihre Motivation sinkt auf Null. Beide bekamen deshalb inzwischen einen Mantel. Smile

     

    Um den Hund zu guter Arbeit zu motivieren, sind also mindestens drei Dinge erforderlich:
    - eine erstrebenswerte Belohnung,
    - dass sich der Hund der Aufgabe gewachsen fühlt und
    - passende Rahmenbedingungen.Betrachten Sie unter diesen Gesichtspunkten doch einmal, wie Sie in der letzten Zeit mit Ihrem Hund trainiert haben. Vielleicht können Sie das ein oder andere ändern, damit er in Zukunft (noch) besser motiviert ist? Wir wünschen viel Spaß und Erfolg bei der gemeinsamen Arbeit!

  4. Das Wild Dos Team 

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